Citroen Multicity Carsharing

Vor gewisser Zeit registrierte ich mich beim “Produkttest” für das Carsharing von Citroen. Da dieser Test Berliner Autofahrer anvisierte, habe ich mich natürlich sofort beworben – Carsharing wollte ich schon immer mal ausprobieren. Beworben wurden 700 Freiminuten für die Nutzung der Multicity Elektrofahrzeuge (ja, die Dinger in Ei-Form) inkl. kostenfreier Anmeldung. Insgesamt hat der Gewinn somit einen Wert von über 200,00 Euro – das ist schon was. Ich habe mich also sehr darüber gefreut, als ich die Nachricht bekam, dass ich dabei bin und genau einen Tag später erreichte mich auch schon ein Infobrief per Post – das ging also wirklich zügig.

Fakten:
Es handelt sich um Elektrofahrzeuge, die leider nicht an jeder Ecke zu finden sind, auch, wenn Citroen dies so verkauft. Dafür, dass es aber ein noch relativ neues Konzept ist, ist die Flotte gut ausgebaut – ich denke, da gibt es in den nächsten Monaten eine stetige Erweiterung.

Anmeldung:
Gleich bei der ersten Station war ich verärgert. Die Anmeldung sollte mit Vorlage des Führerscheins bei der Anmeldestelle meiner Wahl reibungslos funktionieren. Man schrieb sogar extra in den Infobrief, dass der Ausdruck des Vertrags auch vor Ort nachgeholt werden kann, falls man keinen Drucker besitzt. Gleich bei uns gibt es ein Citroen Autohaus, die Dame war nicht nur unfreundlich, nein, sie schickte mich wieder weg, weil “ick darf dit nich’ vor Ort ausdrucken! Is’ jetzt neu, da machen zu ville Leute Mist mit de Anmeldung.” Aha. Entbehrt sich jeder Logik, aber ich konnte ihr das ja wohl kaum sagen. Also verstrichen wieder einige Tage, bis wir mit fertig vorbereiteter Anmeldung im Autohaus standen. “Keene Karten mehr, sorry!” Nun gut. Wir fuhren dann den langen Weg bis zur Schönhauser Allee ins Flinkster-Büro und wurden dort sehr freundlich in die Kartei aufgenommen. Hier kann ich wirklich begeistert erwähnen, wie höflich die junge Dame war. Sie erklärte uns das Wichtigste und ich war innerhalb kürzester Zeit Mitglied.

Erster Eindruck:
Puh, wo finde ich denn das Auto nur? Gleich mal die App runtergeladen – da! Da irgendwo steht eins! Wenn man, wie ich, eine Orientierung hat, die ihresgleichen sucht, dann ist man ziemlich schnell verloren. Man muss genauestens ranzoomen, um zu erkennen, um welche Straße es sich handelt und der genaue Standort wird leider nicht direkt eingeblendet. Wir fuhren dann mit der U-Bahn zur besagten Straße und reservierten uns das Auto für 15 Minuten. Wären wir gelaufen, hätten wir die 15 Minuten leider nicht geschafft… da stand es also. Das kleine, weißlila Ei. Hübsch sieht es nicht aus, aber ich sollte ja auch die Dienstleistung bewerten und nicht das Design (ich muss mich mit dem Designer mal auf einen Kaffee treffen, da gibt es Redebedarf.)

Einsteigen und Losfahren?
Natürlich hat mein Hasi das Auto erst einmal auf Schäden überprüft, so, wie man das eben macht. Ich hätte es nicht getan, aber lerne gerne täglich dazu. Das Öffnen war sehr einfach, man muss nur die kleine Karte, die man bei der Anmeldung erhält, an den grauen Kasten halten und mehr oder weniger schnell öffnet sich hörbar das Schloss. Da saß ich nun – in meinem weißlila Ei und zitterte. Dass ich ein Schisshase bin, war weder mir noch ihm unbekannt – aber so? Da habe ich mich selbst nicht wiedererkannt – fast wie eine Furie wurde ich lauter, um Herrn Z. darüber aufzuklären, dass ich einfach nicht gern Autos fahre, die mir nicht gehören. Da macht es einmal “Poff!” und schon haben wir den Salat – nee, danke! Zwei, drei Yogi-Atemzüge später habe ich mich beruhigt und startete den Motor. Wobei ich bis heute nicht weiß, ob ich da tatsächlich etwas gestartet habe – das Ding ist so unfassbar leise, dass man sich fühlt wie bei den Feuersteins. Ich musste ab und zu schmulen, ob mein Schatz nicht doch barfüßig den Antrieb übernimmt.

Die Fahrt und das Interieur
Wenn man sich an die wirklich sehr leichte Lenkung und den minimalen Wendekreis (an dem ich mich während eines U-Turns wirklich erfreut habe) gewöhnt, ist alles tutti. Das Autofahren macht sogar Spaß. Das Teil beschleunigt – jenseits unserer Erwartungen – recht zackig und schnell fährt man mal 65 und merkt es gar nicht. Die Bremsen reagieren sehr schnell, auch daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Woran ich mich allerdings nicht gewöhnen kann: das Geräusch der Blinker. Musste denn das wirklich sein? Da fühlt man sich, als säße man in einem Lego-Auto. Diesen Sound kann man auch nicht beschreiben, das muss man schon gehört haben, um es so doof zu finden, wie ich. Da ich mich nicht an Kleinigkeiten hochziehe, möchte ich gleich hinterher drei Dinge anmerken, die mich am Interieur tatsächlich merklich gestört haben:
die Spiegel ließen sich nur bis zu einem gewissen Grad umstellen, wenn man sehr klein ist, stellt dies ein Gefahrenpotential dar, welches vermieden werden könnte. Oder ich bin zu doof, den Spiegel einzustellen. Kann auch sein. Während einer Nachtfahrt stellte ich fest, dass die Buchstaben (D, N, R) Automatikschaltung nicht leuchten- soll heißen, dass ich im Dunkeln nicht wusste, welchen Gang ich gerade einstelle. Ja, ok, der Gang steht in der Armatur- aber da will ich nicht erst hinschauen müssen. Und dann der Innenspiegel – ein furchtbares Ding. Stellt sich bei jedem Holperstein um, weil er zu locker befestigt ist. Ich muss nicht erwähnen, wie ungünstig es ist, den Spiegel während der Fahrt neu einstellen zu müssen…

Die Schreckenserkenntnis:
Bei der ersten Fahrt ging es nur an den Alexanderplatz. Abgestellt und ausgestiegen. Pling! Da kam die Nachricht, dass ich meine Fahrt somit erfolgreich beendet habe. Wir waren ein paar Stunden unterwegs und liefen zurück zum Parklatz -zwei Meter entfernt standen zwei weitere Autos, die wir dann für unsere weiteren Spritztouren nutzten. Dann war es spät. Wir waren müde und wollten ins Bett. Also fuhren wir einen kleinen Umweg, um einen lieben Menschen sicher zuhause abzusetzen und machten uns dann auf den Weg nach Hause. Ihr müsst wissen, dass wir wirklich nicht außerhalb wohnen. Für Citroen schon. Aber die Leute 3 Straßen weiter – die nicht, neiiiiihein. So fuhren wir eine halbe Stunde lang durch die Straße, welche uns als letzte Möglichkeit vor der Gebietsgrenze angezeigt wurden und fanden natürlich keinen Parkplatz. Ich möchte noch einmal erwähnen, dass wir uns zu diesem Zeitpunkt lediglich 3-4 Straßen neben unserem Wohnhaus befanden. Und es spielte sich folgendes Szenario ab: “Nein, fahr hier links, wenn du rechts fährst, sind wir aus dem Gebiet draußen.” “Aber da ist nichts frei.” “Ah, jetzt sind wir wieder in der Abgrenzung, hier können wir stehen.” “Aber hier ist nichts frei.” “Halt, stopp, du fährst gerade wieder raus aus der… jetzt sind wir draußen.” Dank App und GPS konnte mir mein Schatz genau sagen, wann ich mich innerhalb der vom Carsharing vorgegeben Gebietsgrenze befand. Und es hat uns fürchterlich unglücklich gemacht. Wir überlegten kurzzeitig, ihn einfach in unserer Straße abzustellen – hätten dann aber horrende Kosten riskiert, weil ja dann ein Servicemitarbeiter den Wagen von draußen, vom Lande, hätte abholen müssen, um ihn umzuparken. Nein, nein, das wollten wir nicht. Wir suchten und wir fanden. Und liefen. Lange. Nach Hause.

Fazit
Der letzte Punkt verdarb mir sämtliche gewonnene Begeisterung für mein weißlila Ei – man ist eingegrenzt in einer propagierten Freiheit und das gefällt mir nicht. Die Gebietsgrenze an die tatsächlichen Stadtgrenzen anzupassen, wäre eine gelungene Alternative. So konnten wir nicht mal mit dem Auto an den See fahren – hätten wir ihn da abgestellt, wäre die Uhr weitergelaufen. Wenn ich diesen einen – doch sehr enormen und für mich wichtigen – Punkt außen vor lasse, macht das ganze echt Spaß. Die Autos sind top gepflegt und machen, was sie sollen – sie fahren effizient von A nach B. Wir werden es in den nächsten Wochen weiterhin nutzen und auch darüber hinaus werde ich meine Mitgliedschaft gewiss nicht beenden – ich bin mir nämlich ganz sicher, dass die Tore der Citroen-Gebietsgrenze bald geöffnet werden 🙂
Foto
In Liebe euer

Signatur

This entry was published on August 12, 2013 at 7:53 pm. It’s filed under Lebensart and tagged , , , , , , , . Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post.

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