Ich lass mein Baby ein Baby sein oder die Mütterdiskussion

So ziemlich jeder Mama ist das folgende Szenario bekannt. Das Kind schreit, will partout nicht einschlafen, wimmert und jammert und ist nur dann ruhig, wenn man selbst mit im Raum ist. Und dann ist das genau dieser eine Tag, an dem man nicht allein Zuhause ist. Es ist der Tag, an dem jemand zu Besuch ist, der gern seine (ungefragte) Meinung zum Thema Baby kundtut. ‘Also ich würde sie ja mal schreien lassen.’ Oder ‘Kauf dir doch mal ein Schlaf-Lern-Buch!’
Bei beiden Sätzen stellen sich mir die Nackenhaare auf.

Mein Baby soll die Grundfesten des Lebens nicht auferlegt bekommen. Es möchte schlafen und es möchte essen. Es möchte kuscheln oder spielen. Genau dann, wenn es das Bedürfnis danach verspürt. Ich möchte es nicht konditionieren. Dafür habe ich es nicht auf die Welt gebracht. Meine Aufgabe ist es, meine Tochter auf dem Weg zu begleiten, nicht wie einen schweren Sack durch den Sand zu ziehen. Und wenn das bedeutet, dass ich mich abends 4 x zu ihr legen muss, damit sie ruhiger schläft, dann ist es, wie es ist.

Mir ist bewusst, dass meine Süße die Reaktionen auf ihre Taten speichert. Mir ist ebenfalls bewusst, dass sie manchmal gar kein Bauchweh, Zahnungsschmerzen oder Hunger hat. Sondern, dass sie ihr Rufen ganz bewusst einsetzt, um mich zu sehen. Weil ich ihr fehle und weil sie mich braucht. Und, weil sie es gar nicht besser weiß. Sie weiß nicht, dass sie irgendwann ganz allein ins Bett gehen wird. Sich ihr Brot allein zubereiten wird. Oder allein auf die Toilette geht. Sie hat nur uns. Sie weiß nur das, was wir ihr zeigen. Und das Wichtigste, was wir ihr zeigen, ist, dass sie sich immer auf uns verlassen kann.

Dass andere mir ihre Ansicht aufdrücken wollen, finde ich unverständlich. Und rücksichtslos. Ich möchte mich nicht dafür schämen müssen, dass ich meinem Kind Geborgenheit schenke. Und ich möchte mich nicht rechtfertigen müssen, wieso ich welche Entscheidung treffe. Die Frage, warum einige Frauen als Mütter anderen (und vorzugsweise Jung-)Müttern gegenüber beinahe gebieterisch werden und ihre guten Manieren beiseite lassen, bleibt weiter Sache der Ansicht. Und obwohl ich oft und leicht beeinflussbar bin, bin ich als Mutter dagegen resistent. Denn geht es nicht mehr nur um mich, verlasse ich mich ganz auf mein Gefühl.

Viele vergessen, dass ich hier nicht von einer 10-jährigen spreche. Ich spreche von einem 10 Monate alten Baby, das darauf angewiesen ist, dass ich versuche, es zu verstehen. Und das darauf angewiesen ist, dass ich es einfach manchmal sein lasse.
Natürlich wird auch meine Tochter lernen, was der Unterschied zwischen ‘richtig’ und ‘falsch’ ist. Oder wie man sich benimmt. Sie wird lernen, dass man sich bedankt. Und dass man nachts die Augen zumacht, weil man am Tage eine Aufgabe hat. Sie wird so vieles lernen, von dem sie jetzt noch gar keine Ahnung hat. Aber jetzt ist sie erst einmal einfach nur ein Baby. Eines, das dann schlafen, essen, kuscheln und spielen darf, wann immer es will.

zbderblog

 

This entry was published on April 5, 2015 at 6:56 am. It’s filed under Lebensart, Lifelines & Kolumne and tagged , , , , . Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post.

One thought on “Ich lass mein Baby ein Baby sein oder die Mütterdiskussion

  1. Jh83 on said:

    Du sprichst mir aus der Seele 🙂

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